Praktikum bei: MemBrain, s. r. o.
Zeitraum und Ort: 1.10.2025 – 13.2.2026, Stráž pod Ralskem
Stipendienprogramm: Mobilitätsbeihilfen für Praktika in Tschechien
Ich studiere M.Sc. Life Science Engineering an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und habe ein Praktikum bei MemBrain s.r.o. in Stráž pod Ralskem in der Tschechischen Republik absolviert.
Im Rahmen meines Studiums ist es Pflicht, ein Praktikum mit einer Mindestdauer von drei Monaten zu absolvieren und ich wollte es prinzipiell im Ausland machen. Dabei lag mein erstes Interesse generell bei osteuropäischen Ländern, aus den simplen Gründen, dass ich bisher noch nicht dort gewesen bin, aber gleichzeitig durch meine Familie dort kulturelle Wurzeln habe. Um eine Übersicht von Firmen zu bekommen, habe ich Kontakt mit dem Bayerischen Hochschulzentrum für Mittel-, Ost- und Südeuropa (BAYHOST) aufgenommen und ihnen meine Unterlagen geschickt. Sie vermittelten mir eine Liste diverser Firmen aus Osteuropa, welche Praktika für Studenten in meinem Studienbereich anbieten. MemBrain s. r. o. fiel mir dabei besonders auf, weil sie bereits in der Vergangenheit Praktika in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung angeboten haben und der Bezug zu meinen Studieninhalten (Membranprozesse und Verfahrenstechnik allgemein) sehr stark ist. MemBrain s. r. o. bezeichnet die Forschungs- und Entwicklungsabteilung von MEGA®, einem Anlagen- und Apparatehersteller in Tschechien, und spezialisiert sich als Tochtergesellschaft auf die Grundlagen- und angewandte industrielle Forschung von Membranverfahren.
Nach Einreichen meiner Bewerbungsunterlagen und einer positiven Rückmeldung nach dem Interview habe ich mich nach Finanzierungsmöglichkeiten und Stipendien für diesen Auslandsaufenthalt umgesehen. Neben ERASMUS+ bin ich auch auf das Mobilitätstipendium der BTHA gestoßen.
Zur Vorbereitung habe ich angefangen, Tschechisch zu lernen. Es ist eine sehr schwierige Sprache und hat leider kaum Gemeinsamkeiten mit der deutschen Sprache oder romanischen Sprachen. Mit grundlegenden Worten kommt man in klassischen Alltagssituationen gut zurecht, jedoch ist es gerne angesehen, wenn man fließend sprechen kann, da besonders Einheimische nur auf Tschechisch kommunizieren. Dies war auch eine meiner Schwierigkeiten, wenn ich mein Gegenüber nicht verstanden habe und irgendwas improvisieren musste. Da ich aber in Stráž pod Ralskem gelebt habe, einer abgelegenen Kleinstadt im Norden des Landes mit ca. 4.000 Einwohnern, kann die manchmal schwierige Kommunikation auch dem Umstand geschuldet sein, dass dort wenige Fremdsprachler unterwegs sind. In größeren Städten wie Liberec oder Prag sah die Situation nämlich anders aus.

In der Firma selbst fand die Kommunikation auf Englisch statt und ist im Allgemeinen als sehr gut zu bewerten. Mein Betreuer, die Sekretärin sowie die anderen Kollegen sind sehr herzlich zu mir gewesen und standen mir bei Rückfragen mit Rat und Tat zur Seite. Die Firma stellte mir für die Dauer meines Praktikums eine Unterkunft zur Verfügung, kostenloses Mittagessen in der Kantine und einen Arbeitsplatz, wodurch alle Bedürfnisse abgedeckt wurden, um mich voll den Aufgaben des Praktikums hinzugeben. Im Wesentlichen bestanden meine Tätigkeiten in der Laborarbeit, der Protokollierung meiner Ergebnisse sowie der Recherche. In aller Regelmäßigkeit habe ich meinem Betreuer die aktuellsten Daten präsentiert und wir tauschten uns gemeinsam darüber aus und folgerten, welche Experimente noch durchzuführen sind.
Das größte Learning im Rahmen des Praktikums habe ich vor allem im Labor bekommen. Die Erwartungshaltung war wegen meiner bisherigen Laborpraktika an der Universität sehr hoch. So wurde mir nur mitgeteilt, welche Experimente ich durchführen sollte, jedoch nicht, wie genau und mit welchen Geräten. Durch diesen Wurf ins kalte Wasser ist es mir aber gelungen, eine Hands-On-Mentalität aufzubauen und mir die wesentlichen Arbeitsschritte eigenständig anzueignen. Eine andere Form der Bereicherung habe ich außerhalb des Praktikums auch gesehen. Weil die Stadt im Vergleich zu meiner Heimat in Nürnberg so klein war, bin ich abseits vom Großstadt-Trubel mehr zur Ruhe gekommen. Ich konnte meine Prioritäten verlagern und fand mehr Zeit und Energie fürs Lesen, Kochen, den Glauben und Kraftsport zusammen mit ein paar meiner Arbeitskollegen. An den Wochenenden habe ich stets Kurzreisen in größere Städte wie zum Beispiel Liberec, Český Krumlov oder Česká Lípa unternommen. Außerdem hat die Gegend in Nordböhmen sehr viele Wanderwege und Gebirge zu bieten. Wenn Freunde aus der Heimat zu Besuch gekommen sind, so haben wir uns für das Wochenende zusammen in Prag oder Liberec getroffen und dort die gemeinsame Zeit verbracht.
Insgesamt kann ich sagen, dass die Zeit in Tschechien mich persönlich und beruflich weitergebracht hat. Die Arbeit in der Firma hat mir sehr viel Spaß gemacht. Durch den Wechsel von Laborarbeit zu Recherche habe ich einen guten Einblick in das abwechslungsreiche Arbeitsleben eines Ingenieurs in der Forschung und Entwicklung bekommen. Auch wenn ich in meinem späteren Berufsleben mehr den Bezug zur Biotechnologie und Bioverfahrenstechnik anstatt zur „klassischen“ Prozesstechnik haben möchte, habe ich fachlich viele nützliche Erkenntnisse dazu gewonnen (v. a. in Messtechnik und R&I-Fließschema). In diesem Kontext konnte ich die (Arbeits-)Kultur eines fremden Landes genauer kennenlernen und habe über die Arbeit interessante Bekanntschaften gemacht.
Darüber hinaus bin ich in der kleinen Stadt mehr zur Ruhe gekommen und habe gelernt, wie ich mit meiner Zeit außerhalb der Arbeit umgehe. Ich freue mich, meine Learnings auf meinen restlichen Bildungsweg zu übertragen und die gesammelten Erfahrungen in meine Zukunft einfließen zu lassen.
Text und Bild: Stipendienbericht

