Das Institut für Geographie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg unter der Leitung von Prof. Dr. Tobias Chilla arbeitet gemeinsam mit dem Institut für Geoinformatik der Palacký-Universität Olmütz unter der Leitung von Mgr. Vít Pászto, Ph.D., an dem Projekt „Border Data“. Ziel des Projektes ist es, die Möglichkeiten neuer Datenquellen für grenzübergreifende Regionalanalysen am Beispiel des bayerisch-tschechischen Grenzraums zu erschließen, sowohl für den wissenschaftlichen Diskurs als auch für Praxisakteure in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.
Das Projekt ist für die zukünftige grenzübergreifende Raumentwicklung in europäischen Grenzregionen von großer Bedeutung. Da grenzbezogene Daten aus neuen Datenquellen bislang kaum wissenschaftlich untersucht wurden, leistet das bayerisch-tschechische Partnerprojekt einen wichtigen Beitrag zu diesem noch jungen Forschungsfeld. Zu Beginn des Projektes erfolgten eine grundlegende Recherche sowie Entwicklung einer geeigneten Untersuchungsmethode. Hierfür wurden nationale und regionale Statistikämter beidseits der Grenze nach regionalen Daten durchsucht. Durch einen Vergleich der Metadaten konnten dann für beide Länder gleiche und relevante Indikatoren identifiziert werden. Im Rahmen eines ersten Präsenztreffens der beiden Projektteams im Oktober 2024 in Olmütz wurde darauf aufbauend eine gemeinsame Methodik für die Analyse der Fallstudien erarbeitet.
Im nächsten Projektschritt wurden grenzüberschreitende Daten in vier thematischen Bereichen erhoben. Dazu gehörten Daten aus sozialen Medien zum Tourismus sowie Informationen zum Immobilienmarkt, die mittels Webscraping gewonnen wurden. Des Weiteren wurden Telekommunikationsdaten erhoben, wobei es dem tschechischen Projektpartner gelang, einen Kooperationsvertrag mit dem Mobilfunkunternehmen Vodafone abzuschließen. In der vierten Fallstudie sollten Daten zu Mobilität und Verkehr, etwa aus automatischen Zählstellen sowie aus Navigations- und Online-Kartendiensten erhoben werden, wofür sämtlich relevante Unternehmen aus den Bereichen der Automobilindustrie, Navigationssysteme und Online-Kartendienst-Betreiber kontaktiert wurden. Anschließend analysierten die Wissenschaftler, wie die gewonnenen Daten sinnvoll genutzt werden können und welches Potenzial sie für grenzübergreifende Regionalanalysen bergen. Hierzu trafen sich beide Teams im September 2025 erneut in Olmütz, um sowohl die Publikationsstrategie als auch die Konferenzstrategien abzustimmen. Neben insgesamt drei Präsenztreffen wurde der Arbeitsprozess durch regelmäßige Online-Meetings im Abstand von ein bis zwei Wochen begleitet.
Darüber hinaus nutzten beide Kooperationspartner verschiedene wissenschaftliche Konferenzen, um die Ergebnisse zu präsentieren, sich mit anderen Forschenden zu vernetzen und Kontakte zu relevanten Stakeholdern zu knüpfen. Im Mai 2025 nahmen Mitglieder beider Teams an einem Workshop des Joint Research Centre der Europäischen Kommission mit dem Titel „Measurement of the flows across the internal borders of the European Union“ im italienischen Ispra teil. Die Veranstaltung zeigte erneut die hohe aktuelle Relevanz des Themas „Daten im grenzregionalen Kontext“ und zeigte, dass sich das Projekt hervorragend in dieses Forschungsfeld einordnet. Im November 2025 präsentierte das Projektteam seine Arbeit zudem auf der „XB-CON International Conference“ in Franzensbad, die von der Westböhmischen Universität Pilsen ausgerichtet wurde und einen starken Fokus auf grenzüberschreitende Themen legte. Die Konferenz brachte Wissenschaftler ebenso wie Praxisakteure zusammen und stellte für das Projektteam ein wichtiges regionales Stakeholder-Event dar, bei dem das Projekt auf großes Interesse stieß.
Sowohl auf wissenschaftlicher wie auch persönlicher Ebene gestaltet sich die Zusammenarbeit der Forscher aus Olmütz und Erlangen als ausgesprochen gewinnbringend. Beide Projektteams haben bereits drei weitere Projekte mit grenzregionalem Bezug beim europäischen Forschungsnetzwerk für Raumentwicklung und territorialen Zusammenhalt (ESPON) eingereicht, die alle bewilligt wurden. Dies unterstreicht die erfolgreiche Zusammenarbeit der Partner. Auch künftig sind weitere gemeinsame Projekte geplant, um die Kooperation langfristig fortzuführen und auszubauen.
Das Projekt wird von 2024 bis 2026 durch die Bayerisch-Tschechische Hochschulagentur aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Schulwesen, Jugend und Sport der Tschechischen Republik gefördert.
Text: BTHA
Fotos: FAU; Matteo Berzi, JRC

